Gesellschaftslehre

"Wir wollten nur frei sein!"

Vom 28. bis zum 30. Mai gibt es für die 9er und 10er der IGS ein besonderes Event. Im Rahmen des GL-Unterrichts für die 10er (neuere deutsche Geschichte) und der Vorbereitung der Studienfahrt der 9er nach Berlin (Geschichte der Teilung) sind Zeitzeugen aus der ehemaligen DDR an der Schule, um über das Leben im Unrechtsstaat zu berichten.
 
Frau Jutta Fleck (bekannt als die Frau vom Checkpoint Charlie) mit ihrer Tochter Beate sowie weiteren Mitarbeitern wird anhand ihrer eigenen Geschichte den jungen Leuten vermitteln, welch ein wertvolles Gut gerade die Freiheit ist.
 
Frau Fleck wollte 1982 mit ihren Töchtern über Rumänien aus der DDR in die BRD flüchten. Die Flucht misslang.
Nach der gescheiterten Flucht aus der DDR muss Jutta Gallus (35) ins Gefängnis. Ihre Töchter Claudia (11) und Beate (9) kommen ins Heim. Verhöre, Drohungen und der Verlust der Familie quälen die Inhaftierte. Der Gefängnisalltag auf Burg Hoheneck ist die Hölle. Der einzige Trost: Briefe und Zeichnungen von den Kindern. Nach 26 Monaten wird Jutta Gallus vom Westen freigekauft. Doch ihre Kinder müssen im Osten bleiben. Die verzweifelte Mutter will unbedingt Claudia und Beate rüberholen. Sie kann an nichts anderes denken. Ihr Leben hat ohne die Kinder keinen Sinn. 
Bei Wind und Wetter steht sie mit einem Plakat am Berliner Grenzübergang Checkpoint Charlie. Auge in Auge mit den Grenzsoldaten der DDR. „ Gebt mir meine Kinder zurück!“ lautet ihr öffentlicher Protest. Doch nichts geschieht. Im Gegenteil: Ihr wird gedroht. Sie muss um ihr Leben fürchten. 
Vier lange Jahre zwischen Angst, Bangen, Ohnmacht und Hoffnung vergehen. Schließlich fordert sie in einem letzten verzweifelten Appell im Berliner Reichstag anlässlich der Gedenkfeier zum 25. Jahrestag der Berliner Mauer vor der gesamten Weltpresse von den Politikern die Freilassung Ihrer Töchter : Keine großen Sprüche! Vier Jahre Trennung sind genug!
Endlich setzt man sich auf höchster politischer Ebene für ihr Schicksal ein. Seelisch und körperlich fast am Ende kommt für Jutta Gallus jedoch erst am 25.8.1988 das erlösende Signal aus Berlin.... 
 
Frau Fleck leitet seit vielen Jahren für die Hessische Zentrale für politische Bildung Seminare, Veranstaltungen und führt Projekttage durch. Wir freuen uns, sie bei uns begrüßen zu dürfen.
 
Für die 9. Klassen finden die Projekttage am Montag und Dienstag statt, für die 10. Klassen am Dienstag und Mittwoch.
Jörn Ludwig, Torsten Ortloff

Die Fächer Erdkunde, Geschichte und Sozialkunde werden an unserer Schule zum Lernbereich Gesellschaftslehre (GL) zusammengefasst unterrichtet. Aufgabe des Lernbereichs Gesellschaftslehre ist es, die Gesellschaft und ihre Entwicklung, die in ihr wirkenden Kräfte und Interessen, ihre leitenden Normen und die Wechselwirkung zwischen Gesellschaft und Raum zu betrachten. Die Wirklichkeit zu verstehen und in ihr verantwortlich zu handeln erfordert es, sich in komplexen Zusammenhängen orientieren zu können.
Im Mittelpunkt des Gesellschaftslehreunterrichts steht zunächst die Vermittlung von Kenntnissen als Voraussetzung für Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit. Sie sind die Grundlage für Handlungskompetenz bei gegenwärtigen und zukünftigen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Kritikfähigkeit, Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und demokratische Teilhabe bilden dabei den Orientierungsrahmen.
Diese Aufgabe lässt sich nur fächerübergreifend und fächerverbindend bewältigen. Der Lernbereich Gesellschaftslehre umfasst daher fächerübergreifende Fragestellungen der herkömmlichen Fächer Geschichte (für das Verstehen gegenwärtiger Verhältnisse wichtige historische Entwicklungen), Sozialkunde (gegenwärtige Strukturen sowie Notwendigkeit und Möglichkeiten der Teilnahme am politischen Leben) und Erdkunde (Räume und natürliche Ressourcen als Voraussetzung und Wirkungsfeld gesellschaftlichen Handelns.). Darüber hinaus nimmt der GL-Unterricht auch Elemente aus den Bereichen Wirtschaft, Recht, Soziologie und Ökologie auf.

Die Themenfelder im Lernbereich GL sind Menschenrechte, Demokratie, Arbeit und Umwelt, Europa sowie Arme – Reiche Welt. Sie werden in Unterrichtseinheiten vermittelt, in denen nach Möglichkeit die unterschiedlichen Fragestellungen im Mittelpunkt stehen. Die Unterrichtseinheiten im Lernbereich Gesellschaftslehre sind so
aufgebaut, dass sowohl ein Grundwissen vermittelt wird als auch erweiternde und vertiefende Fragestellungen möglich sind. Sie werden zunehmend auch Gegenstand  vom Projektunterricht. Bei der Reflexion auch eigenen Verhaltens und persönlicher Erfahrungen kommt außerschulischen Lernorten (Gedenkstätten, Betrieben, Gerichte, Behörden, Parlamente u.a.) eine hohe Bedeutung zu.
Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ist ein zentraler Bestandteil der politischen Bildung. Wichtige Lernorte und Lernwege für Jugendliche sind Filmveranstaltungen, Zeitzeugengespräche und Gedenkstättenseminare. Für alle drei Veranstaltungsformen gilt, dass sie erstens einer sorgfältigen Vor- und Nachbereitung bedürfen und zweitens nicht als Pflichtveranstaltung organisiert werden dürfen.
Der Unterricht im Lernbereich Gesellschaftslehre ist untrennbar mit den demokratischen Grundwerten verbunden. Innerhalb dieses Rahmens hat der  Gesellschaftslehreunterricht einen zentralen Stellenwert für die politische und soziale Orientierung der Kinder und Jugendlichen.
Auch die Methoden im Lernbereich GL orientieren sich an den Prinzipien von Mitbestimmung, Selbsttätigkeit und Eigenverantwortlichkeit. So sind u.a. Rollenspiel, Simulationen und Erkundungen notwendige Bestandteile des Methodenrepertoires.
Seit Bestehen der IGS Busecker Tal wird im Lernbereich Gesellschaftslehre heterogen unterrichtet, d.h. die Klasse bleibt vom 5. bis 10.Schuljahr zusammen und wird nicht in unterschiedliche Kurse aufgeteilt. In der Regel wird Gesellschaftslehre vom Klassenlehrer erteilt. Da dies oft fachfremd geschieht,  gewährleisten regelmäßige Absprachen der Lehrkräfte über Lerninhalte, Methoden der Vermittlung und Bewertungsgrundlagen neben dem intensiven fachlichen Austausch vergleichbare Lerninhalte für alle Schülerinnen und Schüler.

Christine Horn